Der sogenannte Preikestolen [„Predigerstuhl“] ist eine ca. 25m*25m große Felsplattform und nicht zuletzt wegen seiner Verwendung als Motiv zahlreicher Postkarten sehr berühmt. Er liegt in der Nähe von Stavanger [Küstenregion in Süd-West-Norwegen] und ist das Ziel vieler Touristen – so waren auch Jonas, Moritz [zwei andere ASF-Freiwillige] am vorletzten Wochenende dort. Wir haben dafür nur ein Wochenende Zeit genommen, daher waren die knapp 48 Stunden, die wir unterwegs waren, sehr von Zugfahren geprägt – allein nach Stavanger braucht man von Oslo mehr als 8 Stunden. Aber: Die Zugfahrt hat sich gelohnt.
Das Besondere an dieser fast quadratischen Felsplattform ist, dass sie sehr exponiert ist und an drei Seiten nahezu senkrecht mehr als 600m in den Lysefjord abfällt. Nichts desto trotz hat es dort noch nie einen Unfall gegeben, nur im Jahr 2000 haben sich einmal zwei Selbstmörder heruntergestürzt. Wenn man dort steht und die ganzen Leute an der Kante rumlaufen, kann man dieser Statitik eigentlich nicht glauben. Selbst bei nicht ganz so gutem Wetter ist ein einmaliger Blick über die südnorwegische Fjordlandschaft garantiert. Außerdem bietet er eine ganz gute Gelegenheit, die eventuelle eigene Höhenangst zu testen. Wenn man genau an der Kante sitzt und die Beine im 600m tiefen Nichts baumeln, kann einem schon sehr mulmig werden. Ich habe aber festgestellt, dass das Sitzen auf der Kante viel besser geht als wenn man 1m von der Kante entfernt steht…
Vom nächstgelegen Parkplatz läuft man zum Plateau je nach körperlicher Konstitution & „Verkehrsaufkommen“ auf dem Wanderweg eine bis mehrere Stunden. Das mit dem „Vekehrsaufkommen“ ist kein schlechtes Wortspiel, denn durch die für Norwegen sehr geringe Distanz zur nächsten größeren Stadt [Stavanger] bzw. zum Parkplatz läuft echt jeder, der in Norwegen Urlaub macht und irgendwie vorwärts kommt, zum Preikestolen. Über passende Ausrüstung kann man bekanntlich diskutieren, aber dass man nicht in Badelatschen über einen Gebirgsweg geht, sollte allen eigentlich klar sein – manche südeuropäische und asiatische Touristen sehen das aber leider anders. Das und noch Anderes sorgt auf dem mitunter recht engen Weg über Geröllfelder und durch enge kleine Schluchten an etwas schwierigeren Passagen immer wieder zu regelrechten Staus. Was dann an einem Samstag dort los ist, kann man sich vorstellen. Wir haben jedenfalls kräftig überholt und waren in anderthalb Stunden dort. Aber eigentlich sollte ich mich nicht aufregen, denn auch wir waren letztlich nur ganz normale Touristen, die einfach mal zum Preikestolen wollten…

