Ähnlich wie man das aus dem deutschen Schulsystem kennt, läuft es auch mit der zeitlichen Planung des „Kindergarten-Jahres“ in norwegischen Kindergärten: der Wechsel zwischen zwei Jahren wird durch die Sommerferien gebildet. Nachdem der Kindergarten der jüdischen Gemeinde in Oslo im Juli geschlossen war und auch ich den Monat gut zum Herumreisen in Norwegen genutzt habe [siehe die letzten Artikel], begann diesen Montag wieder der Arbeitsalltag.
Die ersten drei Tage waren die sog. „planlegginsdagene“, also die Tage, in denen sich das Personal trifft, um das kommende Kindergartenjahr vorzubereiten. Während dieser Tage wurden chronologisch die kommenden Monate durchgegangen und dabei beispielsweise festgelegt, wie und in welchem Rahmen die jüdischen Feste begangen werden. Außerdem wurde der komplette Kindergarten von oben nach unten gründlich geputzt und einige Abstellräume das erste Mal nach einigen Jahren ausgemistet. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Einführung neuer Kollegen, so haben beide Gruppen neue pädagogische Leiter, wobei Aufgabenbereiche und Schichtverteilungen sämtlicher Mitarbeiter besprochen wurden.
Für mich bringen die letzten drei Arbeitswochen im jüdischen Kindergarten, bevor mein Auslandsjahr schon wieder vorüber ist, eine wesentliche Neuerung – ich werde nun nicht mehr wie gewohnt in der Gruppe der Ein- bis Zweijährigen, sondern in der der Drei- bis Fünfjährigen arbeiten. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist dabei, dass aus meiner alten Gruppe, der „Elefantengruppe“, mit dem Wechsel des Kindergartenjahres acht Kinder nach oben in die „Giraffengruppe“ aufsteigen. Dort bilden sie die zahlenmäßige Hälfte und kennen die dortigen Erzieher so gut wie gar nicht. Indem ich sie in die andere Gruppe begleite, fällt ihnen die Umstellung nicht so schwer, denn der Tagesablauf in der großen Gruppe ist komplett anders – es gibt zum Beispiel keinen Mittagsschlaf mehr.
Auch für mich hat sich der Arbeitsalltag dadurch ziemlich gewandelt, „die Großen“ sind ja viel allein schon viel selbstständiger. Anstatt ständig zu kontrollieren, wer eine neue Windel braucht, muss ich nun die gerade sauber Gewordenen oft danach fragen, ob sie nicht auf´s Klo müssen, um die Anzahl etwaiger „Unfälle“ möglichst gering zu halten. Das nur als Beispiel – der Kindergartenalltag bringt mir also jetzt nur wenige Wochen vor meinem Abschied aus Norwegen noch einmal einige neue Herausforderungen, denen ich mich aber gerne stelle.