Wie angekündigt verbrachte ich die erste Juliwoche mit sieben anderen ASF-Freiwilligen in Jotunheimen, dem höchsten Gebirge Norwegens und Skandinaviens. Von mehreren Seiten wurde uns das „Utladalen“ [Tal des Utla-Flusses] wärmstens als wunderschöne Tourenmöglichkeit an Herz gelegt. In diesem Tal gibt es zwar mehrere bewirtschaftete Hütten des norwegischen Äquivalents zum „Deutschen Alpenvereins“, wir haben uns aber dazu entschieden, die Tour völlig unabhängig, also mit Zelt und selbst mitgebrachter Verpflegung, zu machen. Das hat vor allem den entscheidenden Vorteil, dass wir uns die Tagestouren völlig frei einteilen können, denn in dieser Gruppe haben wir noch nichts vergleichbares unternommen – wir wussten also schlichtweg nicht, welche Konditions-Anforderungen uns in der Art gerecht werden, als dass alle Teilnehmer Spaß an der Woche haben. Außerdem sind die Hütten nicht ganz billig, im Vergleich zu den Alpen sogar unverschämt teuer, und das Reisebudget einer Gruppe von ASF-Freiwilligen ist nicht unbegrenzt hoch.
Andererseits muss man dann natürlich alles, was man in einer Woche so an Klamotten und Lebensmitteln neben Schlafsack, Isomatte und Zelt so braucht, auf dem Rücken durch die Berge tragen – zu Beginn der Tour hatte mein Rucksack ein Gewicht von mehr als 20kg, aber ich bin doch erstaunlich gut damit zurecht gekommen.
Ursprünglich bestand unser Plan darin, das Tal von unten nach oben hoch zu laufen. Jonas, ein anderer ASF-Freiwilliger aus Oslo, und ich waren dem Rest der Gruppe schon 3 Tage eher vorausgefahren, um uns schon einmal im Gebiet umzuschauen. Bei einer kleinen Aufwärm-Tour stellten wir jedoch fest, dass längere Aufstiege vor allem wegen des schweren Gepäcks [inkl. Lebensmittel für 9 Tage] beschwerlicher als gedacht sind – so bekommt bergwandern noch einmal einen ganz anderen Charakter. Kurzerhand beschlossen wir, dass wir die Gruppen-Tour einfach umdrehen, also mit den anderen das Tal besser von oben nach unten laufen. Die restlichen zweieinhalb Tage verbrachten wir dann damit, auf die per Luftlinie nur 40km entfernte andere Seite des Tals zu gelangen – ein Hoch auf den norwegischen „ÖPNV“, dazu in einem anderen Artikel mehr.
Nachdem wir uns mit den anderen dann am oberen Ende des Tals getroffen hatten, konnte die eigentliche Tour endlich beginnen. Wir liefen jeden Tag gemütliche 5 Stunden und fanden eigentlich immer ohne größere Probleme einen geeigneten Lagerplatz. Meist gab es sogar genug Feuerholz, um ein Abendbrotessen über dem Feuer zuzubereiten. Man denkt gar nicht, was man über dem Feuer für verschiedene Gerichte kreieren kann, selbst wenn die Zutaten nicht so ausgefallen sind – dem Gewichtsproblem sei dank.
Die Natur dort oben war einfach nur beeindruckend und enorm abwechslungsreich. Wir liefen in einer auf einer Hochebene liegenden Steinwüste los und kamen im Satten Grün unten an, das fast an einen Urwald erinnerte. Aus den vielen Rinnsalen oben hatte sich im Laufe unserer Tour nach unten hin ein reißender, mehr als 10m breiter Gebirgsfluss entwickelt. Die Gruppe harmonierte wunderbar und niemand wühlte sich überfordert, sodass wir alle eine wirklich schöne gemeinsame Tourenwoche verbrachten. Wer einmal die Gelegenheit hat, dem ist das im Westen von Jotunheimen gelegene Utladalen wärmstens zu empfehlen.

