Während der letzten Juliwoche besuchte ich Tina und Bernhard, zwei andere ASF-Freiwillige in Alta. Die offizielle „Nordlichtstadt“ liegt schon sehr weit im Norden, bis zum Nordkap sind es nur 240km. Ich fand heraus, dass es möglich ist, mit dem Bus an einem Tag zum Nordkap und wieder zurück zu gelangen – die Chance wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen, sodass ich mich gestern zum Nordkap aufmachte.
Das Nordkap besitzt den Ruf, der nördlichste Punkt des europäischen Festlands zu sein, dem ist aber nicht so. Streng genommen liegt es erstens auf einer Insel und außerdem gibt es in ca. 30km Entfernung auch noch eine andere Landzunge, die ein paar Meter weiter ins Nordmeer hereinreicht. Nichts desto trotz ist das Nordkap ein äußerst spektakulärer Ort, an dem ein Hochplateau circa 150m fast senkrecht ins Meer abfällt und von wo man einen herausragenden Blick hat – es ist bei weitem schöner als der tatsächlich nördlichste Punkt. Bezüglich der „Nördlichkeit“ schummelt man halt ein bisschen, damit die zahlreichen Touristen sagen können, sie wären am nördlichsten Punkt Europas gewesen.
Die Buszeiten ließen für mich leider nur anderthalb Stunden am Kap zu, sonst wäre ich gestern nicht wieder nach Alta zurückgekommen. Es wirkt natürlich schon etwas absurd, dass ich insgesamt mehr als 11 Stunden Bus gefahren bin, um anderthalb Stunden am Nordkap zu sein. Rückblickend war die Zeit aber ausreichend und es hat sich wirklich gelohnt. Insgesamt ist das alles natürlich sehr touristisch geprägt. Nicht zuletzt deshalb gibt es auch neben dem Kap mit der berühmten metallenen Weltkugel außerdem noch ein Touristenzentrum, in dem es neben einem Kino noch den üblichen Touristen Schnick-Schnack, also ein Café, ein Restaurant, eine Bar und mehrere Souvenir-Shops zu besuchen gibt. Alle fünf Minuten platzte ein neuer Reisebus und der Strom an holländischen Wohnmobilen und vor allem deutsch beschilderten Familienkutschen, der sich die enge Straße hinaufschlängelte, schien keinen Abriss zu nehmen. Aber ich weiß – gestern war ich keinen Deut besser, auch ich kam und ging mit dem Bus.
Der Blick hinaus auf´s Nordmeer ist enorm beeindruckend. Man sieht nichts als Wasser und die Grenze ist der durch die Erdrundung gewölbte Horizont. „Da hinten kommt irgendwann der Nordpol“, denkt man sich. Dadurch, dass man praktisch über der Meer steht, wirkt die ganze Szenerie sehr beruhigend, zeigt aber auch auf, wie klein man als Mensch im Vergleich zur Mutter Erde doch ist. Zuviel Ruhe kann jedoch auch nicht aufkommen, denn alle drei Minuten wird man auf englisch mit schrecklichem deutschen Akzent gefragt, ob man nicht ein Bild von der jeweiligen Familie machen kann. Ich habe noch so viele verschiedene Kameras an einem Tag bedient – anderthalb Stunden waren wirklich ausreichend.


